Science City: Wissen findet Stadt

Rezitieren hinter dicken Klostermauern, büffeln in der abgeschotteten Alma Mater – spätestens der Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft ebnete Wissenschaft den Weg in die Mitte der Gesellschaft. Der sprichwörtliche Elfenbeinturm, das Wissenschaftskloster sind Vergangenheit, der stadtnahe Campus Realität. Mehr noch, Hochschulen verzahnen sich zunehmend mit ihrem städtischen Umfeld und werden selbst zu einem stadtentwickelnden Faktor. Durch gezielte Impulse und kluge Setzungen werden Forschungseinrichtungen und Universitäten ergänzt um private Institute, innovative Start-ups und soziale Quartiersentwicklungsvorhaben. Beteiligte Unternehmen setzen das generierte Wissen um, fördern das Potenzial der Wissensträger:innen und unterstützen den Gesamtprozess durch Förderungen von Forschung und Lehre. Dadurch entstehen integrierte Orte des Wissens, Lebens und Arbeitens, die den Städten weiteres Zukunftspotential geben.

Ein genau solcher Treiber entsteht derzeit in Hamburgs Westen. Direkt am Volkspark Altona gelegen, verbindet die Science City Hamburg Bahrenfeld internationale Spitzenforschung, universitäre Ausbildung und innovative Unternehmen mit lebendigen Wohnquartieren. In dem neuen, 125 Hektar umfassenden Stadtraum wird es neben Wissenschaft von Weltrang auch tausende neue Wohnungen, Sport-, Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten sowie soziale Begegnungsräume geben – Angebote, von denen das direkte Umfeld ebenso profitiert, wie der gesamte Standort Hamburg.

Die Idee hinter der Science City

Das 2019 vorgestellte Zukunftsbild für die Science City zeichnet eine pulsierende Science City direkt an Hamburgs größter öffentlicher Parkanlage, dem Altonaer Volkspark. Mehrere Teilbereiche fließen räumlich und inhaltlich ineinander und formen einen Gesamtraum: ein wissenschaftliches Hauptentwicklungsareal um das Deutsche Elektronen-Synchroton DESY, große Teile der Universität Hamburg sowie renommierte Institute, ein Innovations- und Technologiezentrum sowie eine mischgenutzte lebendige Nachbarschaft mit Wohnschwerpunkt.

Inhaltlich behält der renommierte DESY-Campus einen Grundlagenforschungsschwerpunkt, öffnet sich jedoch der Umgebung und verzahnt sich weiter mit neu ansiedelnden Bereichen der Universität Hamburg. Diese verlagert nahezu ihr komplettes Exzellenzcluster mit den Fakultäten Chemie und Physik sowie mehrere Biologie-Institute in die Science City Hamburg Bahrenfeld. Dadurch finden hier zukünftig mehrere Tausend Studierende und Wissenschaftler:innen exzellente, international zugkräftige Studier-, Lehr und Lebensbedingungen.

Daran angeschlossen ist eine mehrstufige Innovations- und Technologieinfrastruktur: Forschungsbasierte Start-ups, kleine und mittlere Unternehmen, können in einer speziell zugeschnittenen Umgebung wissenschaftlich angebunden arbeiten, im engen Austausch mit der dort entstehenden Gründer:innenszene. Ideale Bedingungen, um neue Technologien zu transferieren und in die Marktreife zu bringen.

Direkt am grünen Volkspark schließlich, wo derzeit noch eine in die Jahre gekommene Trabrennbahn und die Autobahn A7 Lärm und städtebauliche Tristesse verbreiten, entstehen die „Quartiere am Volkspark“. Möglich gemacht durch einen Autobahndeckel und die Verlagerung der Trabrennbahn in Hamburgs Stadtteil Horn. Mit rund 3.000 neuen Wohnungen, wissenschaftlichen Einrichtungen, Dienstleistungs- und Einzelhandelsangeboten, zwei Schulen, Sport- und Spielangeboten sowie zentralen öffentlichen Treffpunkten und Plätzen entsteht ein pulsierender Mittelpunkt der Science City.

Verknüpft wird das gesamte Areal durch eine neue Infrastruktur, multicodierte Freiräume und durch die Verbindung neuer Wohn- und Arbeitswelten mit dem bestehenden nachbarschaftlichen Umfeld der Stadtteile Bahrenfeld und Lurup. Menschen und Institutionen der Umgebung werden aktiv in den gesamten Prozess eingebunden und schon frühzeitig intensiv an der Gesamtentwicklung beteiligt.

Schon heute sind erste Entwicklungen sichtbar. Fertiggestellt wurden bislang:

  • das Light & Schools, ein Physik-Schullabor der Universität Hamburg auf dem Wissenschaftscampus Bahrenfeld wurde 2019 fertiggestellt und ist ein erster sichtbarer Baustein
  • das HARBOR (Hamburg Advanced Research Centre for Bioorganic Chemistry), schließt seit 2020 auf dem Wissenschaftscampus die Lücke zwischen Physik und Life Science
  • die Start up-Labs, ein Inkubator für Start-Ups aus der Forschung, die einen physikalischen oder bio-physikalischen Hintergrund haben, wurden 2021 fertig gestellt
  • das Zentrum für Röntgen- und Nanoforschung CXNS auf dem DESY-Forschungscampus, eine interdisziplinäre, multi-institutionelle Plattform für die Forschung mit Röntgenlicht in Kombination mit Nano- und Materialwissenschaften wurde 2022 eröffnet

In Umsetzung sind derzeit:

  • ein Learning Center für Studierende der Uni Hamburg im Gebäudekomplex Albert-Einstein-Ring 17-21. 2021 wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben
  • mit dem tecHHub ist im Innovationspark ein Zentrum für Startups und Forschung geplant. Realisierung: ab 2022
  • die DESY Innovation Factory I&II wird bis 2025 ein Zentrum für Start-ups, Brückenforschung und neue Ideen in den Bereichen Life Science und New Materials. 2022 wurde die Architektur vorgestellt
  • 2022 findet ein städtebaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb für die Bereiche der heutigen Trabrennbahn, der Kleingärten südlich Schulgartenweg sowie den Holstenkamp statt („Quartiere am Volkspark“)
  • das Hamburg Fundamental Interactions Laboratory (HAFUN) wird die neue Heimat für neun Arbeitsgruppen der Physik. Derzeit läuft für das Gebäude der Architekturwettbewerb.

 

Kooperation und Koordination

Für die Zusammenführung der einzelnen Entwicklungsstränge und die Koordination der beteiligten Verantwortungsträger auf Landes- und Bundesebene ist die Science City Hamburg Bahrenfeld GmbH zuständig, eine hundertprozentige Tochter der städtischen HafenCity Hamburg GmbH. Mit der Entwicklung der HafenCity, dem Grasbrook und des Billebogens hat diese langjährige Erfahrung bei der Umsetzung neuer Stadtteile. Gleichzeitig ist sie alleinverantwortliche Entwicklungsträgerin für den Teilbereich Quartiere am Volkspark. Ein nächster großer Entwicklungsschritt ist der 2022/23 startende städtebaulich-freiraumplanerische Wettbewerb zu ebendiesen Quartieren.

Beteiligt sind die Senatskanzlei der Freien und Hansestadt Hamburg, die Behörden für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW), für Verkehr und Mobilitätswende (BVM), für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke (BWFGB), für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) sowie die Universität Hamburg, das DESY, die Hamburg Invest Wirtschaftsförderungsgesellschaft (HIE), der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) sowie das Bezirksamt Altona.

Bis in die 2040er Jahre hinein entsteht so ein neuer Teil Hamburgs, der weitaus mehr ist als die Summe seiner Teile: mehr als ein Zentrum für Grundlagenforschung und angewandte Wissenschaft, mehr als ein Inkubator für Innovationen und Technologietransfer und mehr als ein abwechslungsreicher Wohnstandort. Es entsteht ein wissensbasierter Stadtraum, der gleichzeitig ein lebendiges Quartier ist. Mit attraktiven Wohnungen und Erholungsräumen, ein Magnet für Studierende, Wissenschaftler und Kreative aus der ganzen Welt.

Ein neuer Teil Hamburgs, der optimale Standortbedingungen bietet für wissenschaftliche Einrichtungen, Start-ups und innovative Unternehmen, mit Laboren und mehreren Tausend Arbeitsplätzen. Der den Volkspark mit einbindet und neue Wohnangebote auch der Nachbarschaft macht, Lehr- und Forschungseinrichtungen sowie innovative Unternehmensstandorte klug miteinander verbindet – und damit Wissen Stadt finden lässt.

125ha

Gesamtfläche

3000

Entstehende Wohnungen

20Jahre

Entwicklungszeitraum (circa)

125ha

Gesamtfläche

2.500

Entstehende Wohnungen

20Jahre

Entwicklungszeitraum (circa)


Universität Hamburg
(Physik, Chemie und Teile der Biologie)
DESY

3.100

Studierende

1.200

Lehrende

2.700

Mitarbeitende

3.000

Gastforschende (jährlich)



Universität Hamburg
(Physik, Chemie und Teile der Biologie)

3.100

Studierende

1.200

Lehrende


DESY

2.700

Mitarbeitende

3.000

Gastforschende (jährlich)